Carillon

Brachten vorweihnachtliche Akustik in den Stadtpark: die drei Carilloneure Georg Wagner, Ariane Toffel und Rolf Linden. Foto: Niklas Schröder

GENERAL ANZEIGER BONN  –  Montag, 9. Dezember 2019 Adventliche Glockenmusik im Stadtpark

50 Menschen lauschen den Klängen des Godesberger Carillons. Verein „Bürger.Bad.Godesberg“ plant weitere Konzerte

Von Niklas Schröder
Bad Godesberg. Die adventlichen Klänge des Carillons lockten am Samstagnachmittag rund 50 Zuhörer in den Stadtpark. Manchen blieben kurzweilig stehen, manche saßen auf den Bänken, und manche hatten es sich im Trinkpavillon gemütlich gemacht.
„Die Glockenklänge erschallen im ganzen Park, deswegen können Besucher während des Konzerts spazieren gehen“, erzählte Joachim Schäfer vom Verein „Bürger.Bad.Godesberg“. In dem einstündigen Konzert erklangen Musikstücke wie „Lasst uns froh und munter sein“, „Macht hoch die Tür“ und „Wir sagen euch an den Advent“. Auch klassische Stücke aus Bachs Weihnachtsoratorium und tausend Jahre alte adventliche gregorianische Choräle malten Bilder in die Köpfe der Spaziergänger. Angesteuert werden die 23 Glocken von den drei Carilloneuren Ariane Toffel, Rolf Linden und Georg Wagner. Letzterer begann auch das Adventskonzert und wechselte sich immer wieder mit seinen zwei Musikerpartnern ab.Die geübten Tastengriffe konnten die Zuschauer gut durch die Scheiben der gläsernen Spielkabine beobachten. Eine Besonderheit, denn für gewöhnlich sitzen die Carilloneure meist oben in den Türmen, so Wagner. „Normalerweise kann man den Musikern beim Spielen nicht zuschauen, das ist hier durch die ebenerdige Spielerkabine aber möglich“, erzählte der Hauptcarilloneur. Die Konstruktion des Carillon sei weltweit sehr selten.„Man bekommt sofort Feedback von den Besuchern, sonst hat man das ja nicht, aber hier zu Erde kann man in das Gespräch kommen und die Reaktionen der Menschen beobachten“, berichtete Wagner. Damit das auch so bleibt, bedarf es einiger handwerklicher Schritte. Denn das 1979 für die Bundesgartenschau errichtete Carillion muss nach 40 Jahren im Betrieb dringend restauriert werden. „Um das Ding spielbar zu halten, haben wir dieses Jahr schon geschliffen, geölt und abgedichtet – auf längere Zeit reicht das aber nicht“, erklärte Wagner. So soll eine holländische Firma die Restauration des Glockenturms durchführen. Die Spielkabine soll wiederum von einer Godesberger Schlosserwerkstatt saniert werden. Zusätzlich sollen bei den Restaurationsarbeiten auch gleich noch zwei weitere Glocken installiert werden. „Damit vervollständigen wir die Tonleiter und können zukünftig ein größeres Repertoire spielen“, erklärte Toffel. Bis zu 70 000 Euro sollen die Arbeiten in Anspruch nehmen. Daher hat der Verein zum Spenden aufgerufen. Bisher seien, laut Schäfer, 1200 Euro zusammengekommen. „Wir streben 20 000 Euro an“, erzählte er. Den Spendern wird eine Glockenpatenschaft in Aussicht gestellt. „Die weiteren Gelder sollen vom NRW-Heimatfonds und von der Stadt kommen“. „Wir hoffen, dass wir die Kernsanierung schon 2020 durchziehen können“, so der Vereinsvorsitzende. Bis es aber so weit ist, soll es weiterhin Konzerte geben. So soll stetig von April bis September, zwei Mal im Monat, das Glockenspiel im Park ertönen. „Wir spielen am ersten Mittwoch im Monat um 18.30 Uhr und an jedem dritten Samstag im Monat um 16 Uhr“, erzählte Wagner. Außerdem werden die Carilloneure bei den Musik-im-Park-Konzerten die Vorgruppe stellen: „Wir läuten die Menschen herbei.“Zudem sind Konzerte in Planung. Ein Highlight steht aber jetzt schon fest: Zum Frühlingsbeginn, am 21. März, wird der international bekannte Stadtcarilloneur der Partnerstadt Kortrijk, Koen Cosaert, spielen. Cosaert ist neben seinen vielen Verpflichtungen Leiter der höchst angesehenen Glockenspielerschule im belgischen Mechelen. „Wir sind motiviert und freuen uns auf die nächsten Jahre“, sagte Wagner.

Anmerkung: Es gibt einen kleinen „Null“-Fehler im Text. Bisher hat der Verein ca. 12.000 € an Spenden gesammelt.

Die Carilloneure Ariane Toffel und Rolf Linden

Der Carilloneur Georg Wagner bei der Begleitung von:
“Entfernung und Dichte” Performance mit: Hiromi Miyakita, Tanz / Akio Suzuki (JP), diverse Instrumente / Georges Paul (D/GR), Saxofon & Kontrabass Innerhalb des Klangkunst-Projekts b o n n h o e r e n der Beethovenstiftung Bonn wird am 25. August 2018 im Stadtpark Bad Godesberg um den Trinkpavillon der Kurfürstenquelle eine einmalige Aufführung der japanischen Choreografin Hiromi Miyakita aus Kyoto stattfinden. Zu dieser Tanzperformance hat sie zwei weitere Performer eingeladen, den aktuellen Bonner Stadtklangkünstler Akio Suzuki und den Bonner Musiker Georges Paul. Gemeinsam erkunden sie mit tänzerischen und klanglichen Mitteln die Landschaft des Stadtparks, und beziehen dabei die seit 2012 permanent klingende Installation “3_fluidum” des ehemaligen Bonner Stadtklangkünstlers Andreas Oldörp um die Kurfürstenquelle in ihre Aktionen mit ein. FOTO: MEIKE BÖSCHEMEYER
Reinigung und Bestandsaufnahme 2017