Carillon

 

Im Stadt- und Kurpark im Bonner Stadtbezirk Bad Godesberg steht ein seltenes Musikinstrument, ein sog. Carillon. Dies ist ein Glockenspiel, bei dem die Glocken rein mechanisch über eine spezielle Klaviatur angespielt werden. Durch die direkte Verbindung der Tasten mit der jeweiligen Glocke kann ein Spieler die Glocke sanft bis kräftig anschlagen und somit die Lautstärke steuern (analog zu einem Klavier). Bei rein elektrisch betriebenen Glockenspielen, wie sie unter anderem bei zahlreichen Rathäusern (z.B. Siegburg, Linz/Rhein, Bad Ems, Goslar, München) zu finden sind, ist dies nicht möglich.

Diese Anschlagsdynamik eines Carillons macht zusammen mit den exakt gestimmten Glocken den besonderen musikalischen Reiz dieses sehr seltenen Musikinstrumentes aus. Durch die Nähe zum Stammland des Carillons in Belgien und den Niederlanden ist es auch in Nordrhein-Westfalen bekannt. Prominent wurde es 2008 durch seine Rolle in dem Kinofilm „Willkommen bei den Sch‘tis“.

Das Bad Godesberger Carillon verfügt über 23 Glocken bei einem Tonumfang von 2 Octaven. Damit können nicht nur Melodien gespielt werden, sondern bereits anspruchsvolle Kompositionen. Die größte Glocke misst 40cm im Durchmesser bei 38kg Gewicht, die kleinste Glocke 17cm bei 5kg. Das Gesamtgewicht der 23 Glocken beträgt 291kg.

Die Konstruktion des Bad Godesberger Carillons als sieben Meter hoher Metallturm mit der gläsernen Spielerkabine zu ebener Erde ist unter den europäischen Carillons (ca. 350 Instrumente) einzigartig. Die Parkbesucher können das Carillon nicht nur hören, sondern seine Funktionsweise und den Spieler direkt beobachten (siehe Carillon_Presse u. Videos_Fotos).

Erbaut wurde das Bad Godesberger Carillon 1979 aus Anlass der Bundesgartenschau in Bonn. Es fand seinen exponierten Aufstellungsort auf dem sog. Glockenhügel am südlichen Eingang zum damals neu geschaffenen Rheinaue-Park. Durch den damals noch jungen und niedrigen Baumbestand war der weiße metallene Turm des Carillons weithin sichtbar (siehe Anlage 1, Bild 2 und 3). Nicht zuletzt durch die tägliche Bespielung des Instrumentes hat sich das Carillon in das Gedächtnis vieler Bonner Bürgerinnen und Bürger eingeprägt. Einer der heute aktiven Carilloneure hat als junger Mann das Carillon noch live während der BuGa erlebt. Im Bonner Stadtarchiv hat sich auch eine Single-Schallplatte mit einer Aufnahme des Carillons erhalten (siehe Anlage 1, Bild 3 und YT-Link zur Aufnahme des Carillons).

Nach dem Ende der BuGa sollte das Carillon verschrottet werden, doch auf Initiative des damaligen Bad Godesberger Bezirksbürgermeisters Norbert Hauser hat das Carillon Anfang 1981 im Stadt- und Kurpark von Bad Godesberg an einer exponierten Stelle seine Heimat gefunden. Somit konnte ein klangliches Zeugnis der für Bonn prägenden Bundesgartenschau gerettet werden. Damit hat es seinen Platz in einer Umgebung gefunden, deren Heimatgeschichte seit Jahrhunderten durch Kultur und Musik geprägt ist. 

Die Redoute, in unmittelbarer Nachbarschaft war kurfürstlicher Musentempel, in dem Beethoven und Haydn zusammentrafen; das kurfürstliche Theater (Haus an der Redoute = Bezirksverwaltungsstelle) neben der Redoute ist heute Kunstausstellungen gewidmet. Im Stadt- und Kurpark fanden und finden seit nunmehr über 300 Jahren Musik- und Theateraufführungen statt. Ergänzt wird dieses außergewöhnliche kulturelle Angebot durch Musikveranstaltungen auf der Terrasse der Stadthalle und des Trinkpavillons und vis á vis Theateraufführungen im Kleinen Theater. Last but not least, kann auch die Stadthalle Bad Godesberg auf eine illustre musikalische Vergangenheit zurückschauen, wovon der „Karajan-Flügel“ der Halle Zeugnis ablegt.

Das Carillon von Bad Godesberg wurde anfangs von Mitarbeitern und Schülern der lokalen Musikschule gespielt, seit 1986 durch den Heimatforscher W. Rometsch. Zahlreiche Besucherinnen und Besucher erinnern sich noch heute gerne und überschwänglich an seine Bespielungen zu den verschiedensten Anlässen. Das Carillon hat sich in das Bewusstsein und das besondere Heimatgefühl der Bürgerinnen und Bürger von Bad Godesberg eingeprägt. Seit 2018 erklingt das Carillon unter den ausgebildeten Carilloneuren A. Toffel, R. Linden und G. Wagner wieder regelmäßig (siehe Carillon_Videos_Fotos).

Der Zustand des Carillons ist aber leider nach nun über 40 Jahren geradezu desolat. Außer Schönheitsreparaturen mit oftmaligem Farbanstrich (bis zu 6 Schichten) fand bisher keine Instandsetzung oder regelmäßige Wartung statt. Die metallene Konstruktion ist daher in wesentlichen Teilen korrodiert, die Spielerkabine vollkommen marode (Wassereinbrüche überall). Das Instrument konnte bisher nur mit viel Mühe und ehrenamtlichem Engagement spielbereit gehalten werden. Eine grundlegende Renovierung ist geboten. 

Doch die hohe musikalische Qualität der Glocken des international renommierten Glockengießers Royal Eijsbouts und die ausgesprochen breite Resonanz in der Bevölkerung haben die Stadt Bonn als Eigentümer überzeugt, eine grundlegende Renovierung in Angriff zu nehmen. Maßgeblich unterstützt wird dies durch den Verein Bürger.Bad.Godesberg e.V., der sich in vielen lokalen Aktivitäten für den Bezirk Bad Godesberg einsetzt, um u.a. die Heimatverbundenheit der Bewohnerinnen und Bewohner zu stärken. Sein bürgerliches Engagement für dieses außergewöhnliche Instrument soll die besondere geschichtliche Bedeutung des Stadtbezirks Bad Godesberger verdeutlichen, aber auch die Bedeutung für die Bundesstadt Bonn in der Zukunft aufzeigen.

Der Verein hat daher 2019 eine Spendenaktion ins Leben gerufen, um einen Teil der ca. 78.000 EUR (ca 30.000EUR für die Spielerkabine, ca. 48.000EUR für den Glockenaufbau) einzuwerben. Die Stadt Bonn als Eigentümer hat sich bereit erklärt,  auch einen Eigenanteil aufzubringen. Der übrige Teil soll aus dem Förderprogramm „Heimat-Fond“ des Landes Nordrhein-Westfalen bestritten werden. Alle Beteiligten vor Ort hoffen auf eine großzügige Unterstützung dieses für Bonn und Bad Godesberg herausragenden und einmaligen Projektes.

Für Rückfragen oder Gespräche stehen die Bezirksverwaltung, der Verein Bürger.Bad.Godesberg und die Carilloneure gerne jederzeit zur Verfügung.

Der Carilloneur Georg Wagner bei der Begleitung von:
“Entfernung und Dichte” Performance mit: Hiromi Miyakita, Tanz / Akio Suzuki (JP), diverse Instrumente / Georges Paul (D/GR), Saxofon & Kontrabass Innerhalb des Klangkunst-Projekts b o n n h o e r e n der Beethovenstiftung Bonn wird am 25. August 2018 im Stadtpark Bad Godesberg um den Trinkpavillon der Kurfürstenquelle eine einmalige Aufführung der japanischen Choreografin Hiromi Miyakita aus Kyoto stattfinden. Zu dieser Tanzperformance hat sie zwei weitere Performer eingeladen, den aktuellen Bonner Stadtklangkünstler Akio Suzuki und den Bonner Musiker Georges Paul. Gemeinsam erkunden sie mit tänzerischen und klanglichen Mitteln die Landschaft des Stadtparks, und beziehen dabei die seit 2012 permanent klingende Installation “3_fluidum” des ehemaligen Bonner Stadtklangkünstlers Andreas Oldörp um die Kurfürstenquelle in ihre Aktionen mit ein. FOTO: MEIKE BÖSCHEMEYER